Bornholm 23.08.2018

Foto: Marten Bril

In drei Stunden reise ich auf die Azoren…  zu den Pottwalen, Finnwalen und Delfinen. Ich freue mich sehr auf die Walbegegnungen, die mich mitnehmen in ihre Welt, in ihr Element….
Möchte mit Euch zu dieser „Abtauchzeit“ ein paar meiner Gedanken zur „Lebenstiefe“ teilen….

“Wir sind wie das Meer. Nimmt man das Meer als Bild für unser Leben, so finden die Ereignisse sozusagen an der Wasser-Oberfläche statt. Wir leben in den westlichen Kulturen zumeist einen liniearen Lebensentwurf, der mit der Geburt beginnt, dann die verschiedenen Stationen wie Schule, Ausbildung, Studium, Beruf, Karriere, Partner, Kinder, durchläuft und mit dem Tod endet. Diese Ereignisse geschehen. Jeder Tag folgt auf den anderen. Aber jeder Tag hat nicht nur in der Länge 24 Stunden, sondern jede Stunde, jede Minute hat auch eine Tiefe. Doch was bei den vielen Ereignissen in unserem Leben in der Tiefe in uns passiert, ist eine andere Frage. Was fühlen wir? Fühlen wir überhaupt? Oder funktionieren wir nur? Wie intensiv nehmen wir die Erlebnisse wahr? Wie sehr sind wir im Augenblick? Wie achtsam? Wieviel Schönheit sehen wir?

Würden wir jeden Moment auch in der Tiefe erleben, so hätten wir viel mehr Lebenszeit. Durch die zusätzliche Dimension der Tiefe bekommt das Leben sozusagen mehr Volumen, so wie ein Würfel auch mehr “Inhalt” hat als ein gemessener Meter, so nimmt das Leben durch die Tiefe viel mehr Raum ein.
Die Wale sind da ein sehr interessante Lehrer, denn ihr Element ist das Meer. Und es gibt Walarten wie den Pottwal, der sehr tief tauchen kann, bis zu 3000 Meter. Als ich das erste Mal einen Pottwal beim Ab- und Auftauchen beobachtet, wurde mir klar, dass wir Menschen es genauso machen sollten, Wir sollten das Leben nicht nur an der Oberfläche erforschen, sondern in der Tiefe. Doch wir fürchten uns oft davor, daher halten wir uns gerne nur an der Oberfläche auf. Mit Ablenkungen, Beschäftigungen, Tätigkeiten. Die meisten Menschen haben immer etwas zu tun und haben Angst, stehenzubleiben. Als wenn sie instinktiv wüßten, dass sie mit dem Stehenbleiben wie ein Schwimmer, der nicht mehr mit den Armen rudert in die Tiefe sinken würden .. und ertrinken. Doch so ist es nicht. Wir wollten uns vielmehr bewußt immer mal wieder auf einen kleinen Tauchgang begeben, um unser Selbst und das Leben wie ein Forscher zu erkunden. Ganz bewußt und mit der Neugierde eines Forschers auf den eigenen Meeresgrund tauchen. Das kann die Stille sein, die wir zulassen. Ein ganzer Tag in Stille und Nichtstun. Oder ein langer Spaziergang am Meer, in Wald, ohne Handy! Fernseher aus, stattdessen ein Buch lesen. Auf einer Bank am See sitzen und die Enten beobachten. Die Gedanken laufen lassen. Gefühle zulassen. Freude zeigen, aber auch Traurigkeit. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, in die Tiefe zu gehen. Und es gibt unterschiedliche Tiefen, die man ansteuern kann. Nicht jeder Tauchgang muss gleich 1000 Meter hinab gehen.“

Herzlichst!

Steffi