Bornholm, 15.11.2018

Der November ist eine ganz besondere Jahreszeit  auf der Insel. Eine stille Zeit. Es ist still an den Stränden, wenn ich spazierengehe. Ich treffe keine Menschenseele. Ruhe kehrt ein. Das ist der Sinn dieser Jahreszeit. Und doch haben wir es so schwer, diese Ruhe zu leben, diese Ruhe auszuhalten. Ganz im Gegenteil. Für die meisten Menschen beginnt jetzt die Hektik, vor allem der Weihnachtsstress. Grund genug, sich einmal zu fragen, wann ich eigentlich einmal Frieden in meinem Leben habe. Wann ich das Gefühl habe, dass alles gut ist, ich sicher und geborgen bin? Nichts tun muss. Geliebt und akzeptiert bin?

Die Antwort ist einfach, wenn auch nicht einfach für uns Menschen, zu akzeptieren und anzunehmen:
Der Frieden in uns kehrt ein, wenn das Denken aufhört. Ja nochmal: Der Frieden in uns kehrt ein, wenn das Denken aufhört.

Achtsamkeit ist ein großes Thema in unserer Zeit und Gesellschaft. Und Achtsamkeitstraining bedeutet, das Denken anzuhalten, den Gedankenstrom zu stoppen und einfach nur achtsam die Welt um uns herum wahrzunehmen.
Mit den Sinnen: den Augen, den Ohren, der Nase, dem Tastsinn. Sehen, hören, riechen, ertasten.
Und wenn man das tut, kann man gleich danach eine Stufe TIEFER gehen, nämlich GEWAHR WERDEN.

Gewahr werden, was unter den Gedanken in uns auf uns wartet. Den Raum in uns wahrnehmen. Einfach SEIN.

Bewußt sein.

Was heißt nun, sich bewußt zu sein? Es heißt, zu spüren, dass wir nicht das sind, was wir an der Oberfläche darstellen,
besitzen und über uns und von uns denken.

Wir sind nicht unsere Geschichte, wir sind nicht unser Erfolg oder Misserfolg.

Wir sind nicht unser Haus, unser Auto , unsere neue Uhr oder unser schickes Kleid. Wir sind nicht die Glaubenssätze, die wir von uns denken: „Ich bin klug“. „Ich bin dünn oder dick“, „Ich bin eine Pechmarie“, „Ich bin erfolgreich“, „Mich mag keiner“ ….

Nein: Wir sind der Raum und die Tiefe unter der Oberfläche. Wir sind einfach nur das, was wir in diesem Moment SIND.
Was wir sehen, hören, riechen und fühlen. NICHT das, was wir denken. GEWAHR SEIN heißt, ganz in diesem Augenblick bewußt da sein. Nur über die Sinne und nicht mit den Gedanken.

Das hört sich vielleicht komisch für dich an, ist aber mit ein wenig Übung ganz leicht. Es sei denn, du hast verlernt oder vergessen, wie es ist, dich selber von innen zu fühlen. Dann kannst du dir ein paar Minuten nehmen, in Stille mit dir alleine und folgende Übung machen:

Schließe die Augen und nehme Kontakt zu deiner rechten Hand auf. Sehe sie nicht an und fasse sie auch nicht an, sondern gehe einfach nur mit deinem inneren Fühlen in deine Handfläche. So wie du es vielleicht einmal vor Ewigkeiten beim autogenen Training gemacht hast.

Nun versuchst du, Kontakt zu deinem linken Fuß aufzunehmen, Mit der Fußsohle, dann den Zehen, mit jedem einzelnen. Atme dabei ruhig und lange ein und aus. So kannst du durch alle Körperteile gehen, um zu lernen und zu probieren, wie es sich anfühlt, dich von innen zu fühlen.

DAS was du da fühlst ist das, was du bist. Nicht mehr und nicht weniger. Und DAS kann dir weder jemand wegnehmen, noch musst du es vervollkommnen oder besser machen. Du bist, was du bist. Ohne all das Gegenständliche an der Oberfläche.

Das ist das Bild, das ich bereits in meinem Buch „Die Weisheit der Wale“ beschrieben habe:
In der Tiefe finden wir uns, unser wahres Selbst. Wir brauchen nicht mehr suchen, nicht an der Oberfläche suchen. Nicht den nächsten Job, nicht den nächsten oder besseren Partner, nicht das schönere Auto, den teuren Urlaub.
Wir sind angekommen, dort wo und was und wie wir sind. Wir brauchen keine Zukunft, kein Morgen. Wir haben das Heute, das Jetzt.

Das ist Frieden. Und das ist Freiheit. Denn in uns selbst sind wir frei. Wir müssen nichts mehr erreichen, denn wir haben schon alles. Im Hier und Jetzt. Es ist wie es ist. Denn nur das was jetzt ist, existiert und ist das Leben. Nicht das Morgen und nicht das Gestern ist das Leben. Es ist nur dieser Moment. Genieße ihn, werde ihm gewahr und fühle den Raum, die Freiheit und den FRIEDEN in dir.

Mitten im Winter an einem grauen und kalten Tag ist der da, der Frieden in dir.

In dem neuen Maas-Magazin ist das Thema des aktuellen Heftes „FRIEDEN“. Anita Maas hat mich eingeladen,  mit einem Artikel beizutragen. Und wie soll es anders sein? Ich schreibe über das „Abtauchen in die tiefe Stille “ 🙂 .
Viel Spaß beim Lesen! 🙂
Herzlichst! Steffi