10. Dezember. Morgengedanken. Es ist noch dunkel draußen. Ich gehe vor die Tür. Höre das Meer. Der Ofen knistert und der Adventskranz erhellt den Raum.

Frieden. Der Tag fängt ruhig und friedlich an. Keine hektischen Gedanken, keine Eile. Wie die Jahreszeit.
Wie die Natur. Alles ist still. In diesem Monat passiert in der Natur gar nichts.
Alles hat sich zurückgezogen in sein Wurzelwerk. Macht Pause. Alles ist in Warteposition, holt Luft.

Das ist das, was wir Menschen von der Natur lernen können. Wenn ich jetzt an den Strand gehe, fühle ich eine sehr besondere Energie. Es ist die Energie von Rückzug, von Tiefe, von Einkehr.
Einkehr. Ein schönes Wort. In sich gehen. Innehalten. Tiefer schauen. Wir sollten diese nicht vergessen in dieser Zeit.
Wir machen es nämlich oft genau umgekehrt. Hetzen von Weihnachtsfeier zu Weihnachtsfeier, jagen den Geschenken nach und müssen unendlich viele Dinge erledigen. Dabei will unser Herz etwas ganz anderes. Es sehnt sich nach Einkehr, nach Zuwendung. Zeit zu haben. Zeit für einen stillen Moment, ein Buch lesen, ins Feuer schauen, Plätzchen backen, die Mutter oder den Vater besuchen, ein gutes und tiefes Gespräch führen. Unser Herz will, wie die Natur, zur Ruhe kommen.
Unserer Verstand erzählt uns aber permanent, was noch zu tun ist. Erinnert uns an unsere „to do“-Liste. Die Natur hat keine „to do“-Liste. Oder vielleicht doch? Auf der „to do“-Liste steht jedoch: Pause machen. Und die Natur weiß, dass das Pause machen existentiell wichtig ist. Denn in dieser Pause wird im Wurzelwerk all die Energie angesammelt, die im Frühjahr gebraucht wird, um aktiv zu werden, neue Triebe zu schlagen, aufzublühen und Früchte zu bilden.
Die Natur weiß, dass Ruhe produktiv ist. Ohne Ruhe keine Früchte.

(Foto: Udo Schroeter)
Ich fühle derzeit genau nach, was ich brauche, was mir gut tut, nach was die Natur in mir dürstet. Ich stelle Dinge hinten an, die einfach nicht in die Ruhe und diese besondere Energie des Dezembers passen: Meine Buchhaltung, die eigentlich drängt, verschiebe ich auf den Januar. Genauso alle Planungen und Gedanken für das nächste Jahr. Selbst mein neues Buch, das ich eigentlich schon fertig geschrieben hatte, aber jetzt ergänzen und erweitern möchte, muss warten…
Es ist nicht die Zeit dafür. Auch das anstehende große Auf- und Umräumen im Haus passt nicht, schafft so viel Unruhe. Stattdessen mache ich alles, was Ruhe in mein Leben bringt. Ich nehme mir die Zeit für den Weihnachtsbrief, den wir jedes Jahr an unsere Freunde schreiben. Ich backe ein Brot für unseren Nachbarn, dem es nicht gut geht. Ich gehe in meine eigene Weihnachtsbäckerei, denn das liebe ich. Ich rufe eine gute Freundin an. Ich gehe auf einen Weihnachtsmarkt. Ich mache lange Spaziergänge. Ich mache unser Ferienhaus schön für die kommenden Weihnachtsgäste. Ich nehme mir Zeit für das Erinnern an meine Mutter.
Und all das kannst du auch. Es ist eine Entscheidung, mit welchen Gedanken und Dingen du dich in diesem Dezember füllst. Dieser Dezember, diese Tage kommen nicht wieder. Sie sind es wert, gelebt und genossen zu werden.

In diesem Sinne einen schönen 10.Dezember 🎄

Herzlichst
Steffi