Morgengedanken. Ein Tag vor Weihnachten. Es ist früh und der Adventskranz brennt mit vier Kerzen.

Vor zwei Tagen haben wir auf unser Insel die Wintersonnenwende gefeiert. Ein sehr schönes Ritual, um das Licht zu begrüßen, das jetzt jeden Tag mehr und mehr Einzug hält. Das große Feuer, das am Hafen entzündet wurde, hat immer einen großen Eindruck auf mich. Alle Menschen stehen davor, sehen die enormen Flammen in den Abendhimmel fliehen und sie werden andächtig. Wir alle sind mit der Fackel in der Hand vom Einkaufsladen des Dorfes (Snogebæk) hinunter an den Hafen gelaufen, um mit dieser dann das Feuer zu entfachen. Mit der Fackel, die man ins Feuer gibt, gibt man das Alte in die Flammen, lässt los. Und begrüßt das Neue, das jetzt kommen darf, wie das Licht … ein schönes und tiefes Ritual. Und ein Ritual in Gemeinschaft. Alle stehen ums Feuer, das verbindet.

Sich verbunden fühlen, darum geht es doch bei dem Weihnachtsfest. Es ist ein Familienfest und ein Fest, an dem wir Menschen zusammenrücken. So sollte es sein. Meine Familie ist dieses Jahr kleiner geworden, da meine Mutter in den Nachthimmel gegangen ist. Das erste Weihnachten ohne sie. Heute Morgen bin ich nach einem Traum aufgewacht und fühlte ganz stark die Energie der Familienzusammengehörigkeit, die die Wale mir so unglaublich intensiv vermitteln.
Die Mutter bat bei ihnen eine besondere Bedeutung. Sie leben im Matriarchat, sprich die Frau hat die führende Rolle.
Die Orcas verlasen ihre Mutter nie, sie leben ein Leben lang in festen Familienstrukturen zusammen. Bei den Pottwalen hingegen verlassen nur die männlichen Tiere die Familie und gehen auf lange Reise in fischreiche Gewässer, um sich für die spätere Brautschau dick und rund zu fressen. Mütter, Tanten, Omas und der weibliche Nachwuchs bleiben zusammen. Zu beobachten, wie diese Tiere so eng miteinander verbunden sind, wie sie kommunizieren und ihre Familienstrukturen als existentielles Fundament ihres Daseins leben, hat mich schon immer sehr berührt und gerührt.

Wir Menschen haben tief in unseren Herzen auch das Bedürfnis nach dieser Zugehörigkeit. Und Weihnachten ist das Fest, an dem wir das leben und zelebrieren können. Es sind unglaublich wertvolle Tage, an denen man dem anderen zeigen kann, wie wichtig und liebenswert er ist. Tage, an denen man zuhören kann, da sein, ein wertschätzendes Wort oder Geste. Tage, an denen man seinem Nächsten das Herz öffnet, in die Energie der Vergebung kommt und damit in die Liebe. Wir Menschen sind soziale Wesen und dieses Fest ist die Chance, es voll und ganz zu zelebrieren. Lasst Euch nicht stressen von dem Braten, der perfekt werden muss, die Fenster, die noch vor dem Besuch geputzt werden sollen, das Geschenk, dass der Oma hoffentlich gefällt…. Wenn ihr in Euren Herzen seid und das dem anderen zeigt, dann ist  DAS Weihnachten.

Wir haben seid Kurzem ein schönes neues Feuer in unserer Familie, das unser genialer Strandkoch in unseren Seminaren in unseren Workshops zum kulinarischen Verwöhnen einsetzt: Ein “Ofyr”, ein Grill, der scheint, besonders für diese Jahreszeit gemacht zu sein. Ein Feuer in der Mitte, das zubereitete Essen auf dem Rand drumherum…

Wenn wir das Feuer in der Dunkelheit anmachen, kommt sofort ein heimeliges Gefühl auf. Kochen unter dem Sternhimmel. Da wird man andächtig, ruhig und alles ist gut. So bringen wir die Familie am zweiten Weihnachtstag zusammen ans Feuer… und ich wünsche mir meine Mutter in Gedanken dazu, sie hätte das geliebt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch, dass Ihr Eure Lieben zusammenholt, ihnen gedenkt und die Gemeinschaft zelebriert.
Es ist DIE Chance, aufeinander zu zu gehen. Ärgert Euch nicht, schließt Frieden, seht einfach tief in das Herz des anderen, egal was ist und war. Wenn nicht jetzt, wann dann? In diesem Sinne wünsche ich Euch friedvolle Weihnachten und sende Euch viele warme Grüße vom Feuer auf Bornholm ♥️🎄
GOD JUL   Steffi