Bornholm, 24.März 2020

Wir identifizieren uns in unserer heutigen Gesellschaft sehr mit unserem Beruf. Mit unserer Position in der Firma, unserem Titel auf der Visitenkarte, unserem Laden, unserer Werkstatt, unserem Studio. Wir erfahren dabei unseren Wert darüber, was wir arbeiten. Das Schul- und Ausbildungssystem verstärkt die Illusion des Egos, dass es wichtiger, besser, schöner ist, je höher der Ausbildungsgrad oder die Position.
In dieser Zeit kommt alles ins Wanken. Alle sind gleich. Nichts ist mehr sicher. Ich kann meinen Job verlieren. Meinen Laden, mein Fitnessstudio, meinen Friseursalon, mein Hotel, mein Restaurant, meine Aktien, meine Autowerkstatt.

Ist das der freie Fall in das Nichts?
Wer bin ich ohne das alles? Im ersten Moment denken wir, dass das der Untergang ist. Ich habe so hart für diesen Job gearbeitet, für diese Existenz. Gedanken wie “Wenn ich das verliere, ist alles aus”, kommen in mir auf.
Doch ist das wahr?
In dieser Krisenzeit erleben wir, dass wir mehr sind als das, womit wir unser Geld verdienen. Wir sind mehr als unser Beruf , unsere Tätigkeit, unsere Position.

Stell dir folgende Frage:
Wird das, was DU BIST von dem Verlust deines Jobs, deiner Existenz beeinträchtigt?
Dies ist kein Hohn, keine Provokation. Ich bin selber betroffen, genauso wie du. Meine Existenz steht auf dem Spiel. Genauso wie deine vielleicht.
Trotzdem oder gerade deshalb meine ich diese Frage ernst, denn die führt dich an deinen Kern.
Nochmal: Wird das, was DU BIST von dem Verlust deines Jobs, deiner Existenz beeinträchtigt?

Spürst du es? Wenn du diese Frage tief an dich heranlässt, wirst du ein Gefühl von Freiheit in dir spüren. Leichtigkeit.
Denn dein SEIN, dein innerster Kern, das was du im Grunde deines Herzens bist, wird nicht beeinträchtigt oder zerstört.

Ja, du verlierst vielleicht deinen Job, deinen Laden o.ä.. Du verlierst damit die Grundlage deiner derzeitigen Existenz.
Und an diesem Geld hängt Vieles. Doch wir spüren und erleben derzeit, dass der Mensch wenn es darauf ankommt nicht viel braucht. Das Leben wird für uns derzeit gezwungenermaßen vereinfacht. Es geht um die Grundbedürfnisse: Essen, Dach über dem Kopf, Kleidung, Wärme, Liebe, ärztliche Versorgung.
Und wir erleben, dass viele Dinge, die wir für so wichtig hielten, wegfallen KÖNNEN. Wir müssen nicht reisen, wir müssen nicht essen gehen, wir haben alle genug Klamotten im Schrank, wir müssen nicht zur Kosmetik und zum Friseur. Doch auf ärztliche Versorgung können wir nicht verzichten. Wir wollen uns und unseren Kindern Essen kaufen, sie anziehen können, nicht frieren müssen.
Es geht darum, diese Grundbedürfnisse zu stillen. Nicht mehr und nicht weniger.

Bist du bereit, deine Kinder zu versorgen, egal mit welchem Job? Wenn du das mit einem Ja beantworten kannst, bist du an deinem Kern angekommen. Das Ego muss festhalten an einem Titel, einer Position, an Besitz und Prestige. Doch dein Kern braucht das nicht, ihm geht es um die Existenz, um das Leben selbst.

In unserer Gesellschaft streben alle danach, beruflich etwas zu sein, um das Selbstbewußtsein zu stärken. Besitz, eine machtvolle Position…
Doch vielleicht merken wir jetzt, dass das, was wir IN uns durch diesen Konsum und dem Festhalten an Dingen und Positionen spüren wollten, schon immer da war und wir es erst jetzt fühlen. Jetzt wo womöglich alles wegfällt.

SEI  in der Krise das, was du in dir bist. Nicht das, was du arbeitest. Und sei es nach der Krise! Halte nicht fest an dem, was du besitzt und inne hast.
LEBE. SEI. LIEBE. Sei Mutter, Vater, Freund/in, Partner/in, MENSCH. So wirst du diese Krise gut überstehen. Denn nicht dein SEIN ist gefährdet. Du bist und bleibst, wer du BIST. Nur das Außen ändert sich. Stelle dich darauf ein.
In diesen Zeiten der großen Veränderung.