Bornholm, 30.März 2020

In Zeiten wie diesen spüren wir das erste Mal seit sehr langer Zeit, dass der Raum, in dem wir uns bewegen, begrenzt sein kann.
Wir waren es gewohnt, uns frei zu bewegen.
Wir waren es gewohnt, dorthin zu gehen und zu reisen, wohin es uns zog.
Und es zog uns überall hin in den letzten Jahrzehnten.
Es war, als wenn wir Menschen uns nur fühlten, wenn wir viel unterwegs waren. Und weit weg.
Das Zuhause war kein Ort mehr, an dem es uns hielt. Zu eng, zu muffig, zu bekannt, zu langweilig.
Wir wollten da raus. In diese Welt, die alles versprach, was uns glücklich machen sollte.
Fremde Länder, fremde Kulturen, fremde Sprachen, fremdes Essen. All das hat in uns etwas lebendig gemacht. Zuhause haben wir uns oft leblos gefühlt. Der Erlebnisdrang war enorm, fast schmerzlich in uns zu fühlen.
Raus, raus, raus. Erleben, erleben, erleben. Hunger nach so viel. Hunger nach etwas, das wir nicht in uns, sondern nur da draußen stillen konnten.
Und wenn wir nicht reisten, dann brauchten wir viel Erleben um uns herum.
Kulturelles Leben. Ein Cafe Latte im Café und Menschen sehen. Ins Konzert. Ins Kino. Ausstellungen besuchen.
Die Städte wurden immer voller, die Menschen zogen in Scharen vom Land in die Metropolen.
Denn dort, so hieß es, tobte das Leben.
Wir vergaßen das Leben in uns. Wir verlernten, dass die wirkliche Lebendigkeit in uns liegt.
In einem Körper, den wir jede Sekunde ins all seiner Vitalität spüren können. Das Blut, der Herzschlag, Millionen von Nervenzellen, die uns Empfindungen senden.
In einem Geist, der jede Sekunde aktiv ist und unzählige Impulse, Gedanken, Ideen, Erkenntnisse produziert.
In einer Seele, die uns sekündlich ruft, zu uns spricht, uns einlädt, uns selbst zu erkennen, in der vollen Dimension und in der vollen Lebendigkeit.
ZURÜCK ZU DER TIEFE IN UNS!
Da sind wir jetzt.
Und wenn die Erde Kopf steht, ist die Tiefe der Himmel.

 

Foto: Udo Schroeter