Bornholm, 03.März 2020

Ich backe seit zwanzig Jahren. Doch in diesen Tagen bekommt mein “täglich Brot” noch einmal eine ganz andere, eine viel tiefere Bedeutung. Ich lernte das Brotbacken als mein kleiner Sohn nach dem Abstillen an schmerzhafter Verstopfung litt. Man erzählte mir damals von einer Frau, die ein wahres Wunderbrot backen würde. Ein Brot, das gut für Magen, Darm und Seele sein sollte. Ich suchte sie auf, sie weite mich in ihre Backkunst ein und nach den ersten zwei Stückchen Brot meines ersten selbstgebackenen Sauerteigbrotes waren die Beschwerden meines Sohnes behoben.
Seit dieser Zeit backe ich dieses Brot. Fast täglich. Es ist eine Routine geworden, fast wie Zähneputzen. Und in diesen Krisenzeiten nehme ich den Wert dieser alten Backkunst wieder deutlich und tief wahr. Ich schaue auf die großen Säcke Bio-Roggen und -Weizen, die in meiner Küche stehen und fühle mich reich. So reich, weil ich damit meine Lieben jeden Tag mit einem frischen Brot beschenken kann. Aus meinen Händen. Mit den einfachsten Zutaten: Getreide, Wasser, Salz, Ölsamen. Das Getreide mit der Mühle geschrotet, so dass der nahrhafte Ölkern des Korns bewahrt bleibt. Genauso wie die ballaststoffreiche Schale des Korns. Brot ist Leben. Und es fühlt sich so gut und richtig an, dass ich dieses Brot für meine Kinder und meinen Mann herstelle. Und für die Nachbarin oder liebe Freunde. Es fühlt sich gerade so an, als wenn es nichts Wichtigeres gäbe. Mit diesem Brot gebe ich Ihnen meine Liebe und gleichsam meine Medizin. Selbst hergestellte Nahrung ist ein großes Gut. In diesen Zeiten ist sie so wertvoll. Denn der Getreidesack in der Küche, der Holzstapel vor dem Haus und der von meinem Mann selbstgefangene Fisch im Kühlschrank geben mir ein tiefes Gefühl von Sattsein, von Sicherheit, von genug haben.

Und es erinnert mich daran, dass es schon lange nicht mehr um das “täglich Brot” in unserer Gesellschaft ging. Es ging um das 5-fach, das 100-fach täglich Brot. “Unser täglich Brot gib uns heute”…. Wieviel Frieden liegt in diesen Worten. Wieviel Frieden, wenn wir verstehen, dass es nur das braucht.