Bornholm, 09.April 2020

Dankbar sein. Ja, ja, das hörten wir immer wieder. Fast wie abgedroschen. Wir sollten dankbar sein und schon fühlt man sich besser. So einfach ist das nun wirklich nicht.
Ich erinnere mich an meine Mutter, die mir vom Krieg erzählte.
Oder an meine Schwiegermutter, wenn sie von ihrer Flucht sprach.
Oder an meine Freundin, die schwer erkrankt war.
Da waren diese Geschichten von den kleinen Dingen, für die man dankbar war. Für ein paar Minuten Frieden zwischen den Bombenangriffen auf die Stadt. Für ein Brot, das einem geschenkt wurde. Oder eine warme Decke, die man wie durch ein Wunder fand. Für ein paar Stunden ohne Schmerzen.
Die kleinen Dinge, die den Lebenswillen oben hielten.
Ein paar warme Sonnenstrahlen. Ein Stück Himmel. Der Duft von Kaffee. Endlich wieder das Meer sehen. Eine Umarmung eines Menschen, den man verloren glaubte. Ein Brief von einem lieben Menschen aus der Ferne. Ein Morgen, an dem man die Angst nicht spürte.
Dankbarkeit für die kleinen und stillen Dinge. Für das, was eben noch selbstverständlich war. Für das, was wir lange schon nicht mehr bemerkt und wertschätzt haben. Für das, was man nicht kaufen kann. Für das, was bis gestern noch keinen Stellenwert für uns hatte.
Dankbarkeit hilft.
Dankbarkeit heilt.
Dankbarkeit trägt.
Dankbarkeit tröstet.
Dankbarkeit ist ein Anker.
Dankbarkeit ist ein Floss.
Dankbarkeit ist der Himmel.
Dankbarkeit ist die Sonne.
Dankbarkeit gibt es ganz umsonst und ist in Fülle da.