ELEMENT


SEI IN DEINEM ELEMENT

„Da bin ich ganz in meinem Element“. Dieses Gefühl kennt jeder von uns. Es ist wie der Fisch im Wasser, der Vogel in der Luft oder der Maulwurf in der Erde. Das Element in dem wir uns befinden beschreibt, wo wir hinge-hören. Und zwar von Anfang an. Doch auf unserer Lebensreise werden wir in unserem Bildungssystem und in unserer Gesellschaft oft dazu angeleitet, dieses uns naturgegebene Element zu verlassen.

Und das ist so, als würde man einem Fisch beibringen, auf Bäume zu klettern. Oder einem Wal, durch die Wolken zu fliegen. Und es gibt viele Anzeichen dafür, dass wir uns nicht mehr in unserem Element befinden: Unzufriedenheit, Traurigkeit, Orientierungslosigkeit, Kraftlosigkeit, Mutlosigkeit. Wenn wir in unseren Element sind, fühlen wir uns getragen. Wenn wir nicht mehr in unseren Element sind, fehlt uns der Halt.

Die Frage ist dann, ob wir diese Signale fühlen, der inneren Stimme zuhören und den Mut aufbringen, in unser Element zurückzufinden. Ich mache dir Mut dazu, entdecke mit dir zusammen dein Element und begleite dich dabei, dich wieder darin zu tummeln. Wie ein Fisch im Wasser!


MEIN ELEMENT

Mein Element ist das Wasser, die Tiefe, das Forschen, die Menschen, die Wale.

Dazu möchte ich dir eine Szene aus einem Buch schildern, das ich gerade schreibe:

„Ich liege im Zelt, es ist Mitternacht. Ich habe keine Uhr, aber das Tageslicht ist vor eineinhalb Stunden verschwunden, dann ist der Mond in seiner vollen Grösse hinter dem Berg emporgestiegen. Prall und wunderschön bescheint er jetzt die Wasseroberfläche. Ich bin in mein kleines Zelt gekrochen, habe mich in meinen Schlafsack gekuschelt, mit einer Wärmflasche an meinen Füssen. Ich höre den Ozean mit seinen wiederkehrenden Wellen, die an die Felsen spülen. Und den Wind, der die kleine Insel umkreist. Alles wie eine Art “Lullaby” das mich langsam in meinen Schlaf wiegt. Dann plötzlich ein Geräusch, das mich sofort hellwach werden lässt. Ein Blas! Ganz nah, als wenn der Wal direkt neben meinem Zelt schwimmt. Ich zerre panisch an dem Reisverschluss meines Schlafsackes und stürze hinaus in die Nacht. Fünf Schritte bis zu den Felsen, auf denen ich einen wunderbaren Überblick über die Bucht habe. Und da ist er. Ich sehe den dunkelgrauen Körper durch die Wasseroberfläche stossen. Gleichzeitig sehe ich den Blas, den er kraftvoll in die Höhe stösst. Ein feiner und hoher Strahl von Wasserdunst, der sich im Mondlicht langsam verteilt. Dann geht er kurz unter die Wasseroberfläche und taucht ein paar Meter weiter wieder auf. Diesmal zeigt er seinen langen glänzenden Rücken mit einer kleinen, gebogenen Finne, die so kennzeichnend für diese Walart ist .

Ein Finnwal! Wie anmutig, wie kraftvoll. Mein Herz pocht mir bis zum Hals und ich halte vor Spannung den Atem an. Er schwimmt gleichmässig und zügig an mir vorbei, rund 100 Meter weit draussen. Ich starre wie gebannt auf seine eleganten Bewegungen. Bei jedem Blas, den er ausstösst, scheint die Bucht zu vibrieren. Dieser Ton überträgt sich über den Granitfelsen, auf dem ich barfuss stehe, in alle meine Glieder. In dieser klaren Nacht, in dieser kompletten Stille dieser Insel inmitten des Fjordsystems des Pazifiks an der Westküste Canadas, bleibt die Zeit für mich stehen. Der Finnwal atmet mit seinem Blas aus und dann atmet er gleichsam ein und dieses Geräusch geht mir nochmals durch Mark und Bein. Ein Geräusch, das wie ein Echo in der ganzen Tayler Bucht zu hören ist. Ein Geräusch, das meine Zellen wieder erkennen, wie ein Urton, den ich noch nie so nah und gegenwärtig zuvor gehört habe, aber der mir sofort vertraut ist und mich lebendig und hellwach dastehen lässt. Im nächsten Moment wird die Stille wieder durchbrochen, diesmal mit einem Sound aus dem Lautsprecher, der neben meinem Zelt in einem der Bäume hängt. Eine Aufnahme, die aus dem Unterwassermikrophon übertragen wird, das in drei Metern Wassertiefe unter dem Felsen angebracht ist. “Der Finnwal macht nur genau ein Geräusch, das wir Menschen in unserer Frequenz wahrnehmen können. Es hört sich an wie ein “Star Wars”-Schwert, das aus der Scheide gezogen wird”, hatte Hermann uns am Morgen bei einer Präsentation vor einer kleinen Reisegruppe, die unsere Walforscherstation besuchte, erzählt. Ja, da war das Star Wars Schwert!

Ich laufe die Stufen zu dem “lab” hinunter, der Holzhütte mit alle den Forschungsequipment direkt auf den Klippen zur Bucht.Dort hat Amanda schon auf “Record” gedrückt und nimmt die Sounds von dem Hydrophon auf. “Ist das ein Finnwal-Puls?”, frage ich sie. Sie nickt nur, lauscht mit den Kopfhörern auf den Ohren konzentriert den ankommenden Geräuschen, die sie minutiös in einem Logbuch notiert. Ich blicke aus dem Fenster in den Mondschein und zucke jedes Mal zusammen, wenn der Puls wieder ertönt…. Die Welt verschwindet, wenn man darin aufgeht, sagte einst der Philosoph Martin Heidegger. Genau so ist es in dieser Nacht. Ich bin Walforscherin und mitten in meinem Element.“

Ja, das Forschen ist mein Element. Genauso wie schreibend die Welt zu entdecken. Oder reisend. Und in die Tiefe zu gehen. In mir. Mit einem Buch. In einer Meditation. In meinen Yoga-Übungen. Mit Menschen, die ich begleite.

Ich bin in meinem Element, wenn ich tiefe Gespräche führe. Wenn ich von Herzen lache. Mich mit anderen freue. Die Nähe eines lieben Menschen genieße. Den anderen sehe und fühle. Mit Tieren kommuniziere. Wenn ich staune. Wenn ich still bin. Wenn ich tanze. Wenn ich meinen Körper herausfordere und spüre.Am Morgen eines jeden Tages entscheide ich mich bewußt dafür, in mein Element zu gehen, mit dem was ich denke, fühle und tue. Das ist wahre Freiheit und tiefes Glück für mich.

STEFFI SCHROETER FOLGEN

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